Die Nacht der Kirchen 2008
Sternsinger
Kreuzweg
Fastenessen
Gemeindefeste
Kirchweihgottesdienste
Weinleseandachten
Friedensdekade
Gemeinsame Sitzungen Pfarrgemeinderat/Kirchenvorstand
Funkids
Eltern-Kind-Gruppe
KIRCHWEIH-Gottesdienst 2007 "Zwei in einem Boot"
B: Woher hast du das Boot
eigentlich?
J: Du sitzt in meinem
Konfirmationsgeschenk. Damals haben alle Verwandte das Geld dafür zusammengelegt.
B: Damals bekam man noch
nicht soviel Elektronik zu diesen Ereignissen oder nur Geld.
J: Ja - und ist 26 Jahre alt.
Mit allen Wassern gewaschen. Mittelmeer, Atlantik, viele Seen und Flüsse,
Städte und Dörfer. Ein Faltboot ist praktisch. Flüsse runter und mit dem Zug
zurück. In London sogar mit der U-Bahn.
B: Ist doch nett, wie wir
hier auf dem Main herunterfahren. Sind wir an einem katholischen Dorf wie
Dettelbach vorbei, dann am evangelischen Mainstockheim, Kitzingen als Stadt ist
gemischt - dann ganz bunt Sulzfeld hier, Marktsteft dort Segnitz und Marktbreit
und so weiter ...
Ich wußte ja schon immer,
dass wir alle in einem Boot sitzen, aber dass wir zwei jetzt wirklich diese
Bootsfahrt unternehmen? Ohne all die anderen ...
J: Na ja - mein Boot ist kein
Drachenboot für 12 Leute mit Stechpaddeln, da sitzen jetzt wir wirklich nur zu
zweit drin.
B: Was ist eigentlich mit den
großen Kirchenschiffen passiert? Wir reden immer vom „Schiff der Kirche", oder vom
Schiff, das sich Gemeinde nennt. Die Kirchenschiffe liegen irgendwo fest oder
haben sich festgefahren. Nichts mit Luxusliner Marke Traumschiff in der
Ökumene.
J: Da tut sich nicht mehr
viel mit unseren Großschiffen, ob evangelisch oder katholisch. Gibt sich nichts.
Andererseits reden wir gern davon, dass wir alle in einem Boot sitzen. Das muss
wohl eine Art Rettungsboot sein.
B: Ein Paddelboot ist halt
was für Pioniere und Entdecker. Wenn die Schiffe nicht mehr weiterkommen auf
der Suche nach der Quelle. Du brauchst nur 20 cm Wasser unter dem Bug und nicht
10 m! Ein Schiff überwindet auch keine Stromschnellen. Sogar stromaufwärts
kommst du - ist allerdings ganz schon anstrengend.
J: Vielleicht brauchen wir
auch in der Ökumene mehr Paddelbootfahrer. Kleine wendige Kanus, in denen
einfach zwei sitzen, die sich auf diese Weise ganz anders kennen lernen. Viele
Zweiergespräche. Etwas gemeinsam unternehmen. Rauskommen aus dem Dorf.
B: Aber ganz schön kippelig,
so ein Paddelboot.
J: Wenn es kentert, kannst du
es wieder aufrichten. Manchmal sogar ohne auszusteigen - das nennt man
„Eskimotieren". Bei den ständigen Abstürzen und Rückschritten in der Ökumene ist
das eine praktische Eigenschaft.
B: Petrus wäre ja auch
beinahe untergegangen, wenn Jesus ihn nicht gerettet hätte. - Gemeinsam aufs
Wasser zu gehen, braucht eben viel Vertrauen.
J: Den Mut von Petrus
bewundere ich auch immer wieder. Mitten im Sturm auszusteigen. Auf dem Wasser
Jesus entgegengehen. Im Alleingang sozusagen.
B: ... Jetzt sind wir wirklich
allein. Wie die Jünger auf dem See. Nicht einmal Jesus ist dabei. Was würdest
du sagen, eenn jetzt Jesus hier auf dem Wasser laufend vorbeikäme?
J: Wasser hat keine Balken ... Kennst
du den Witz? Jesus, Drewermann und der
Papst sitzen in einem Paddelboot auf einem See. Der Papst redet und redet und
redet. Nach einer Stunde wird es Jesus zu bunt. Er schreitet übers Wasser,
setzt sich ans Ufer und schweigt. Nach einer weiteren Stunde schreitet auch
Drewermann übers Wasser, und setzt sich neben ihn. Der Papst redet noch eine
Weile weiter, doch dann sieht er die andern am Ufer, setzt an zu ihnen rüber zu
schreiten, fällt jedoch ins Wasser und schreit um Hilfe. Nach ein paar weiteren
Minuten des Schweigens. Jesus: "Vielleicht hätten wir ihm sagen sollen, wo
die Pfähle stehen." Drewermann: "Welche Pfähle?"
B: Den Glauben müsste man
haben... Wie oft der See Genezareth und Boote in der Bibel vorkommen... Wie oft die
Jünger allein unterwegs sind und dann doch wieder die Hilfe von Jesus brauchen.
Es reicht wohl im Boot auf ihn zu warten.
J: Wie steuert man eigentlich
so ein Boot? - Indem du entweder nur auf einer Seite paddelst oder noch
zusätzlich auf der anderen Seite bremst. Es gibt also kein Steuer und einen
Steuermann - wir lenken alle gemeinsam und schauen auf das Ziel. Und es kommt
auf jeden an. Machen wir doch schon ganz gut, oder?
B: Von wegen Ziel. Siehst du
da vorne den Kirchturm? Das ist ein markanter Punkt - darauf halten wir einfach
mal zu! Welches Ziel haben wir eigentlich in der Ökumene?
J: Versöhnte Verschiedenheit?
Dialog der Profilneurotiker? Fusion der Großkirchen?
B: Viel zu große Ziele. Das
wäre so als würden wir sagen, das Ziel ist Frankfurt am Main. Ist ja nicht
falsch. Aber fürs Fahren brauchen wir viel nähere unmittelbar sichtbare Ziele. Wenn
du dir keinen Zielpunkt suchst in so einem Boot, dann eierst du ganz schön rum
auf dem See oder so einer gestauten Stelle wie vor der Schleuse Marktbreit.
J: Eine gemeinsame Kanufahrt
hier, ein Kreuzweg, ein Kirchweihgottesdienst dort - nur nicht aufhören, nach
gemeinsamen Zielen und Begegnungen zu suchen, ganz praktisch.
B: Für die lange Nacht der
Kirchen nächstes Jahr brauchen wir dann aber doch ein paar größere Boote ....
J: Aber keine Ruderboote
bitte. Da sieht nur der Steuermann nach vorne und alle anderen sehen gar nicht,
wo sie hinrudern und blicken die ganze Zeit zurück. Seltsame
Fortbewegungsweise, mit dem Rücken in die Zukunft sozusagen...
B: So kommen mir unsere
Kirchen und Gemeinden oft auch vor. Was früher war ist viel wichtiger als das,
was in der Zukunft liegt. Wenn man so zurückschaut, fällt einem gar nicht auf,
welchen Eiertanz man in der Gegenwart anstellt. Das ist bei so einem Paddelboot
wirklich besser. -
J: Ökumene ist doch immer so
ein Boot mit Segel dargestellt, das LOGO der Ökumene? - aber das funktioniert nur bei halbwegs
Rückenwind. Hier auf dem Fluss nach Westen kreuzt du sonst ewig durch die
Gegend.
B: Der Wind reißt einem ja fast
das Paddel aus der Hand. -
J: Deswegen drehst du es.
Oben muss es immer möglichst wenig Windwiderstand geben. Dann kommst du auch gegen
den Wind und die Wellen an. Ohren anlegen und durch.
B: Schon lustig, so eine
Bootsfahrt. Kein Wunder, dass in Bierzelten immer so viele Schifffahrtslieder
gesungen werden. Ist schon ein besonderes Gefühl ... Nur auf Alkohol solltest du
in dem Kanu verzichten ...
J: Zwei Mann in einem Boot! Heißt
das nicht „Drei Männer in einem Boot" mit Heinz Erhardt?
B: Weißt du - so wie wir uns
hier unterhalten, über uns, über unsere Lebensgeschichte, wo wir herkommen und
hinfahren, da sind wir zwei nicht allein. Wie als wäre ein Dritter bei uns. Als
wäre Jesus unter uns.
J: Vielleicht ist er auch
nicht weit weg und wir sind nicht ohne ihn. Da brauchen wir auf der Fahrt keine
Angst zu haben wie die Jünger auf dem rauen See.
B: Weiter geht's! Seemänner ahoi!
J: Mast - und
Schotbruch!
B: AMEN