diezeitisteinflussohneufer

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“

 Pablo Picasso

 

Meditation

Ein Neujahrspsalm für 2 Sprecher/innen

 

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern.

Auf dem Weg nach vorn gibt es nur ein Weiter.

Vielleicht an Strände närrischer Vernunft?

Vielleicht an Ufer vergessener Weisheit?

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

 

 

Ach, Träume habe ich viele! Kleine und große Träume.

Gesundheit, ein bisschen mehr zu mir selbst finden,

Menschen, die es gut mit mir meinen,  nicht ganz so viel Hektik.

Aber diese Träume kenne ich schon aus dem letzten Jahr –

erfüllt haben sie sich leider eher selten ...

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern.

 

Das sagst Du so leicht: Es gibt kein Zurück!

Dabei stecke ich noch mittendrin im "Gestern".

So viel ist liegen geblieben.

Ein Streit ist noch immer nicht beigelegt.

Manche Gelegenheit habe ich verpasst und ich trauere ihr noch hinterher.

Was wäre gewesen, wenn ... wer weiß?

Aber Du hast ja recht.

Man müsste das alte Jahr abstreifen können wie nasse Kleider.

Das wär's!

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern.

Auf dem Weg nach vorn gibt es nur ein Weiter.

 

Weiter? Aber wohin?

Dass ich das alte Jahr verlängere ins neue Jahr?

Dass ich nur wieder 12 Monate älter werde?

Wohin geht es weiter? Das wüsste ich schon gerne.

Und ich wünschte, ich könnte das Ziel mehr bestimmen.

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern.

Auf dem Weg nach vorn gibt es nur ein Weiter.

Vielleicht an Strände närrischer Vernunft?

 

Ach, dieser "Strand närrischer Vernunft" wäre schon ein lohnendes Ziel.

Heißt es nicht: Gott liebt die Kinder und die Narren?

 Ich möchte mich überraschen lassen

und staunen wie ein Kind auf einer Sommerwiese.

Ich möchte mein Leben leichter nehmen -

wie die Narren.

Sie sagen selbst dem König die Wahrheit

und können lachen - auch über sich selbst.

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern.

Auf dem Weg nach vorn gibt es nur ein Weiter.

Vielleicht an Strände närrischer Vernunft?

Vielleicht an Ufer vergessener Weisheit?

 

An Ufer vergessener Weisheit: Das wär's!

Und du stehst plötzlich da und begreifst:

Ich gehöre hierhin ! Ich lebe! Ich atme!

Jede neue Sekunde ist mir geschenkt.

Und das neue Jahr ist ein wunderbares Land,

das vor mir liegt.

Alles ist Gnade.

Und ich möchte aufstehen und vorangehen ­

mit offenen Armen und einem weiten Herzen.

 

Auf dem Weg nach vorn hörst Du nie auf zu träumen.

Auf dem Weg nach vorn gibt es kein Zurück ins Gestern

Auf dem Weg nach vorn gibt es nur ein Weiter.

Vielleicht an Strände närrischer Vernunft?

Vielleicht an Ufer vergessener Weisheit?

 

Gedicht: Annemarie Schnitt/ Zwischentexte: Jan von Lingen