Was machen Kinder am Tisch des Herrn ?! Häufige Fragen
Warum feiert man in der Evangelischen Kirche das Abendmahl neuerdings schon mit Kindern?
Weil die Kinder durch ihre Taufe in die christliche Gemeinschaft vollgültig aufgenommen sind und dadurch die Genehmigung haben, an allem teilzunehmen, was die Gemeinde im Gottesdienst feiert. Dazu gehört eben auch das Abendmahl. Wir wollen nicht einfach etwas Neues machen, sondern wir drehen die Frage um: Warum haben wir bisher den Kindern den Platz am Tisch des Herrn nicht gegeben, obwohl er ihnen eigentlich zusteht?
Die Kinder verstehen nicht das große Geheimnis des Glaubens, das sich da vollzieht.
Gerade die Formulierung „Geheimnis des Glaubens" deutet an, dass es beim Abendmahl um wesentlich mehr geht als um das rein verstandesmäßige Verstehen. Nämlich darum, dass wir einen guten Zugang bekommen zu dem Dreieinigen Gott. Dazu gehört in erster Linie ein offenes Herz und die Bereitschaft, sich auf diese Gemeinschaft einzulassen. Es gibt keine Bedingung, dass man eine Art intellektuellen ,,Führerschein" fürs Abendmahl machen muss, um zugelassen zu werden. Gerade Luther hat in seinen Anfechtungen das Abendmahl als Zuspruch erfahren, der über den Verstand weit hinausgeht.
Aber die Kinder müssen doch wissen, dass es um etwas anderes geht als gewöhnliches Essen und Trinken?
Gerade deshalb sollen die Kinder bei uns in den Kindergottesdiensten frühzeitig eingeführt werden und die Eltern ermuntert werden, zusammen mit den Kindern zum Abendmahl zu gehen. Kinder lernen so den Unterschied zwischen einem ganz normalen Essen und dem, was sie in dieser Gemeinschaft feiern. Es ist meist nur eine Befürchtung der Erwachsenen, dass das Abendmahl zu einer ganz gewöhnlichen Brotzeit verkommt.
Wird durch die großzügige Öffnung nicht doch das Abendmahl etwas entwertet?
Die evangelische Kirche hat hier einen weiten Weg zurückgelegt. Früher war das Abendmahl an die persönliche Beichte und Zulassung gekoppelt und wurde nur 2-3 mal im Jahr gefeiert. Heute soll das Abendmahl einmal im Monat gefeiert werden. Dafür singen wir neue Lieder und entdecken auch im Alltag und nicht nur an ganz hohen Feiertagen.
Und welchen Sinn macht die Konfirmation, wenn das Abendmahl schon „vorweggenommen" wird?
Die Konfirmation ist tatsächlich ein wichtiges Thema: Aber hier bleiben die wichtigen Thema des Bekenntnisses, der Tauferinnerung und der Einsegnung. Auch das gemeinsame Abendmahl bleibt konstitutives Element des Konfirmationsgottesdienstes. Die Konfirmanden und Präparanden haben dann schon regelmäßig am Erwachsenen-Abendmahl teilgenommen und die Erfahrung ist, dass das Abendmahl nicht mehr so verkrampft ist und die Konfirmanden in einer großen Sicherheit dieses Fest feiern.
Und die Ökumene? Bei den Katholiken ist die Erstkommunion festgeregelt.
Nicht so fest, wie es der Anschein hat. In Europa feiert die Katholische Kirche die Erstkommunion im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Wir sehen das Kinderabendmahl in einer geordneten und eingeführten Form eher als ökumenisch weiterführend als die bisherige Praxis, Kinder nicht zuzulassen.
Zur Geschichte des Abendmahls für Kinder in unserer Kirche
Schon 1978 erschien eine Handreichung der VELKD „Teilnahme von Kindern am Heiligen Abendmahl". Darin mahnte der damalige Bischof Dr. J. Hanselmann an: „Kinder, die getauft sind, dürfen grundsätzlich nicht vom Heiligen Abendmahl ausgeschlossen werden." Die Bayrische Landessynode hat diesen Grundsatzbeschluss in ihrer Herbsttagung 2000 aufgegriffen und die Gemeinden darum gebeten, das Abendmahl für Kinder zu öffnen.
Auch in unserer Gemeinde erlebten wir es, dass Eltern ihre Kinder zum Abendmahl der Gemeinde mit nach vorne bringen. Der Kirchenvorstand hat deshalb auf den Synodalbeschluss reagiert und schon bald darauf entschieden, dass wir im Kindergarten, in der Grundschule und im Kindergottesdienst die Kinder in der Bedeutung des Heiligen Abendmahls unterweisen wollen und dann das Abendmahl für Kinder öffnen werden. Das heißt praktisch: bei einem oder zwei Familiengottesdiensten im Jahr wird ein Abendmahl für alle (mit Hostien und Traubensaft) angeboten. Unterm Jahr bekommen die Kinder an Feiertagen, an denen mit Familien zu rechnen ist, die Hostie und Traubensaft und in anderen Fällen die Hostie und einen persönlichen Segen.