Angela: Wir möchten uns kurz vorstellen. Ich
heiße Angela Nusko. Im August 2002 konnte ich mit einer Delegation aus
Obernbreit nach Papua-Neuguinea reisen. Wir besuchten dort das College in Banz,
mit dem der Dekanatsbezirk Kitzingen nun schon seit 1992 partnerschaftlich
verbunden ist. Während der vierwöchigen Reise hatten wir die Gelegenheit,
Land und Leute und ihre Lebensumstände etwas näher kennenzulernen.
Kiri:
Mein Name ist Kiri Simon-Hamberger, und ich bin in Papua-Neuguinea in einem
Dorf an der Küste aufgewachsen. Meine Eltern und meine Geschwister leben mit
ihren Familien
dort in verschiedenen Teilen des Landes. Seit zwei Jahren wohne ich in
Obernbreit.
Angela: Die Menschen
in Deutschland wissen wenig über Dein Land, das ca. 20 Flugstunden von uns
entfernt ist. Reden wir zuerst über das Wetter. Wie ist das Klima in PNG?
Kiri: In Papua-Neuguinea gibt es eine Regenzeit und eine Trockenzeit. Während
der Regenzeit ist es natürlich sehr feucht und wegen der Wärme an der Küste
auch sehr schwül. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 20
und 40 Grad. Im Hochland sind die Temperaturen etwas niedriger. Bei diesem
Klima wachsen sehr viele Sorten von Gemüse und Obst, und man kann das ganze
Jahr über säen und ernten. Schnee gibt es nur auf dem Mount Wilhelm. Er ist
über 4.500 Meter hoch.
Angela: Wie wirkt sich das Klima auf den Bau von Häusern aus?
Kiri: In den Städten werden die Häuser wie in Deutschland aus gekauften
Baustoffen, z. B. aus Ziegeln, gebaut. Die Wände sind natürlich viel dünner,
und es muß weniger isoliert werden, da es ja nicht so kalt ist. Die Häuser
in den Dörfern werden traditionell aus Buschmaterial errichtet, das den
Menschen kostenlos zur Verfügung steht.
Angela: Wir sind hier in der katholischen
Marienkirche, und drüben im Altort steht die evangelische St.
Burkardkirche. Gibt es Kirchengebäude in dieser Form auch in PNG?
Kiri: Ja, in den Städten
wie Port Moresby, Lae oder in manchen Missionsstationen sind die Kirchen zum
Teil auch aus Stein gebaut. In den Dörfern werden sie aus Buschmaterial
errichtet; und da es ja das ganze Jahr über warm ist, kann man den
Gottesdienst auch im Freien feiern.
Angela: In der
Zeit, in der Du hier in Obernbreit bist, hast Du bestimmt schon mitbekommen,
daß die Sonntagsgottesdienste bei uns
nicht so gut besucht sind. Kennst Du das von Deiner Heimatgemeinde auch?
Kiri: Eigentlich
nicht. Wenn Gottesdienst gefeiert wird, kommt das ganze Dorf zusammen. Natürlich
gibt es Leute, die nicht kommen, aber die meisten sind da. Und es besuchen
nicht nur ältere und alte Menschen den Gottesdienst, die Kinder und
Jugendlichen sind selbstverständlich auch anwesend. Das ist ein großer
Unterschied zu Deutschland.
Angela: Da nur sehr
wenige in PNG ein Auto haben, wie kommen sie zum Gottesdienst?
Kiri: Wenn es eine
Straße gibt, fahren die Menschen mit dem öffentlichen Bus oder sie bilden
Fahrgemeinschaften. Manche, die abgelegener wohnen, nehmen einen langen Weg
auf sich, so ein bis zwei Stunden für eine Wegstrecke! Bei uns an der Küste
kommen sie auch mit dem Boot zur Kirche.
Angela: Und nach
dem Gottesdienst? Machen sich die Kirchgänger sofort wieder auf den Weg
nach Hause um die Klöße zu kochen?
Kiri: Nein, nicht
so wie hier. Sie nehmen sich Zeit, um mit den Verwandten, den Freunden und
Bekannten, die sie ja nicht so oft sehen, zu reden und um Neuigkeiten
auszutauschen. Die Menschen in PNG haben überhaupt
mehr Zeit, sie sind nicht so hektisch und so rastlos wie hier.
Angela: Hat jedes
Dorf, jede Gemeinde einen eigenen Pfarrer?
Kiri: Nein, ein
Pfarrer ist meist zuständig für mehrere Ortschaften. Aber es gibt viele
Evangelisten, die den Gottesdienst halten dürfen. Sie werden in
Evangelistenschule dafür ausgebildet.
Angela: Von welcher
Institution werden die Pfarrer in PNG bezahlt?
Kiri: Ein Pfarrer hat
kein festes Gehalt. Er und seine Familie kriegen von der Dorfgemeinschaft ein
Stück Garten zur Verfügung gestellt, da kann er sich wie die anderen
Dorfbewohner auch Gemüse und Früchte anbauen. Einmal im Jahr bekommt er
etwas Geld ausgezahlt als Anerkennung für seine Dienste in der Gemeinde. In
der Stadt zahlt die Kirchengemeinde den Pfarrer.
Angela: Kiri, Du hast
eine Mädchenschule geleitet und warst in der Fort- und Weiterbildung für
Frauen tätig. Was wird in der Schule unterrichtet? Welche Inhalte hat die
Weiterbildung?
Kiri: Die Frauen in
PNG haben zum großen Teil die Verantwortung für ih-re Familien zu tragen.
Sie sind es, die den Garten bestellen, die die Kinder erziehen, sich um die Alten
kümmern. Mit den verschiedenen Programmen soll erreicht werden, daß die
Frauen stark gemacht werden für ihre Aufgaben in der Familie, in der Kirche,
im Dorf.
Angela: Heute wird
die Hälfte der Kollekte an das Neuendettelsauer Missionswerk überwiesen. Wie
werden diese Gelder Deiner Erfahrung nach verwendet?
Kiri: Da es in PNG
keine Kirchensteuer gibt und die Landeskirche daher keine regelmäßigen
Einnahmen hat, ist die nationale Kirche meines Heimatlandes auf Hilfe aus Übersee
angewiesen. Das Geld wird verwendet z. B. für die Ausbildung der Pfarrer und
der Laienprediger, es fließt in die Krankenhäuser mit ein, die von der
Kirche unterhalten werden, und auch viele Frauen- und Jugendprogramme werden
damit unterstützt.
Angela: Das heißt,
in der Regel wird unser finanzieller Beitrag zur Arbeit der Kirche sinnvoll
eingesetzt.
Kiri: In der Regel
sicher, Ausnahmen gibt es natürlich.
Angela: Nun sind wir
am Ende unseres Interviews angelangt. Ich möchte mich bei Dir im Namen der
Teilnehmer dieses ökumenischen Gottesdienstes recht herzlich für das
informative Gespräch bedanken.
Interview aus: http://www.kirche-obernbreit.de/Archiv/Kiri/Archivkiri.htm
